Geschichte der Alten Apotheke Neustadt

Wer denkt, dass staatliche Eingriffe und Regulierungen das Gesundheitswesen erst in unserer Zeit prägen, irrt. Die Gründung der Alten Apotheke im Jahr 1827 erfolgte auf eine Urkunde des kurfürstlichen Ministeriums des Innern.

Darin wird würdevoll verlautet: „Durch allerhöchste Entschließung seiner königlichen Hoheit des Kurfürsten ist dem Apotheker Wiegand aus Treysa in dem Kreise Ziegenhain allergnädigst gestattet worden, eine Filial-Apotheke in Neustadt in dem Kreise Kirchhain zu halten…“

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Apotheker Markus Kaal
Apotheker Markus Kaal

Vorausgegangen waren mehrere vergebliche Versuche von Neustädter Bürgern und auch der Stadtverwaltung, eine Genehmigung zu erwirken, weil der Weg nach Treysa oder Kirchhain zu beschwerlich war (es gab ja noch keine Eisenbahn…). Die neu eingerichtete Apotheke wurde zunächst von Apotheker Heinrich Müller als „geprüftem und für fähig befundenen Provisor“ geleitet. 20 Jahre später übernahm der Sohn Theodor Wiegand die Apotheke von seinem Vater und führte sie als selbständige Apotheke weiter, nachdem er ein entsprechendes kurfürstliche Privileg erhalten hatte.

Nach ihm haben bis heute 7 Apotheker und 2 Apothekerinnen die Alte Apotheke geleitet:

Herr Dr. Stöckenius (1856-1890), Herr Dallwig (1891-1917), Herr Flemming (1917-1961) Herr Dr. Schwand (1961-1963), Herr Dreißigacker (1963-1968), Frau Schmerer (1968-1969) Frau Zinn/Schmerer (1969-1981), Dr. Marin Kaal (1982-2021), Markus Kaal (seit April 2021)

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Alte Apotheke Neustadt - Oldschool
Alte Apotheke Neustadt - Blick in die Vergangenheit

Früher gelangte man über die hohe Außentreppe vor dem Altbau in die Apothekenräume. Im Jahr 1968 wurde die Apotheke durch einen Anbau erweitert, sodass der neue Verkaufsraum nun ebenerdig erreichbar ist. Ende der 1990er-Jahre bekam der Anbau eine neue Fassade und die Offizin wurde grundlegend umgestaltet.

Der nächste Modernisierungsschritt erfolgte 2004 mit dem Einbau eines Kommissionierautomaten. Hier lagern auf wenigen Quadratmetern ca. 8000 Packungen. Dass man auf diese Medikamentenfülle per Knopfdruck zugreifen kann, heißt aber nicht, dass weniger Personal gebraucht wird: Waren 1982 noch vier Mitarbeiterinnen beschäftigt, so ist inzwischen ihre Zahl auf vierzehn (meist Teilzeitkräfte) angewachsen – ein Zeichen dafür, wie vielseitig und komplex das Leben in der Apotheke in Zeiten von Automatisierung und Informationsfülle geworden ist.

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