Neurodermitis im Winter: Warum die Haut jetzt aufdreht und was helfen kann

Im Winter geraten viele Menschen mit Neurodermitis schneller in neue Schübe. Kälte, trockene Heizungsluft und häufige Temperaturwechsel setzen der ohnehin empfindlichen Hautbarriere stark zu. Der Ratgeber zeigt, warum das so ist, und welche Maßnahmen jetzt helfen können. Neurodermitis, auch als atopisches Ekzem bekannt, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, bei der die natürliche Hautbarriere dauerhaft gestört ist. Dadurch verliert die Haut schneller Feuchtigkeit, reagiert stärker auf Reize und entzündet sich leichter. Für Betroffene bedeutet das oft einen starken Juckreiz, trockene, schuppige Hautstellen, Schlafprobleme und ein hoher Aufwand im Alltag, um die Haut stabil zu halten. Selbst kleine Auslöser wie Stress, bestimmte Textilien oder ein Temperaturwechsel können reichen, damit ein neuer Schub aufflammt.

Warum die Haut gerade im Winter besonders leidet

„Winter und Neurodermitis, das kann für viele Betroffene eine schwierige Kombination sein“, weiß Dr. Utta Petzold, Dermatologin der Barmer. Die kalte Außenluft verliert deutlich an Feuchtigkeit, wenn drinnen die Heizungen laufen und sich die Außenluft auf Raumtemperatur erwärmt. „Diese Umgebung entzieht der Haut Feuchtigkeit, die sie ohnehin nur schwer halten kann. Die Folge sind Spannungsgefühl, Risse, Rötungen, Juckreiz und eine steigende Anfälligkeit für Entzündungen“, sagt Petzold. Auch die ständigen Temperaturwechsel spielen eine Rolle. Während sich die Gefäße draußen bei Kälte zusammenziehen, erweitern sie sich bei der Wärme drinnen wieder. Die Rötung der entzündeten Neurodermitishaut bedeutet einen zusätzlichen Stressfaktor , weil durch die stärkere Durchblutung der Wasserverlust durch die Haut größer ist. „Viele Betroffene berichten, dass sich die Haut buchstäblich „aufraut“, sobald sie von der kalten Straße in beheizte Räume kommen“, so die Expertin.

Zusätzlich wirken im Winter weitere Faktoren als Verstärker:

  • Heizstaub kann den Verdunstungseffekt auf der ohnehin gereizten Haut steigern.
  • Raue Stoffe wie Wolle werden oft nicht gut vertragen und können scheuern.
  • „Manche Menschen bemerken sogar, dass bestimmte Hautpartien, etwa Hände, Gesicht oder Hals, förmlich „aufbrechen“, weil sie den wechselnden Bedingungen besonders oft ausgesetzt sind“, sagt Petzold.

Was die Haut im Winter braucht 

Auch wenn die kalte Jahreszeit die Haut herausfordert, lässt sich viel tun, um Schübe zu vermeiden oder zumindest abzumildern.

Reichhaltige, barrierestärkende Pflege: Pflege ist im Winter kein optionaler Schritt, sondern essenziell. Besonders gut eignen sich Cremes und Lotionen mit Ceramiden, rückfettenden Lipiden oder Urea in niedriger Dosierung. Sie helfen, die gestörte Barriere aufzubauen und Feuchtigkeit länger zu speichern. „Ideal ist es, insbesondere Urea-haltige Produkte direkt nach dem Duschen zu cremen, solange die Haut noch leicht feucht ist“, rät die Dermatologin. Auch kann  die Rückfettung mehrfach täglich notwendig sein.

Sanfter Umgang beim Waschen: Kurze, lauwarme Duschen sind besser als heißes Wasser. Seifenfreie Waschlösungen schonen die Haut. Das Abtupfen mit einem weichen Handtuch kann zudem eine unnötige Reibung verhindern.

Gutes Raumklima schaffen: Trockene Heizungsluft ist einer der stärksten Wintertrigger. Regelmäßiges Stoßlüften, geeignete Zimmerpflanzen oder ein Luftbefeuchter können helfen, die relative Luftfeuchtigkeit zu verbessern. Für viele Betroffene macht das bereits einen spürbaren Unterschied.

Kleidung als Schutzschild: Weiche, glatte Materialien wie Baumwolle oder Seide sind ideal. Wolle oder synthetische, kratzige Stoffe sollten möglichst nicht direkt auf der Haut liegen. Draußen helfen Handschuhe, Schal und Mütze, empfindliche Areale vor Kälte zu schützen.

Auslöser meiden, gerade jetzt

Im Winter sollte man besonders auf Duftstoffe, aggressive Reinigungsprodukte oder irritierende Kosmetika verzichten. Auch allergene Auslöser wie Hausstaub oder Tierhaare können leichter zu Schüben beitragen, wenn die Haut bereits angeschlagen ist. Wer die besonderen Belastungen der kalten Monate kennt und gezielt gegensteuert, kann die Hautbarriere stabilisieren und Schübe deutlich reduzieren. „Zwischen guter Pflege, bewusstem Schutz und einem angenehmen Raumklima lässt sich oft ein Alltag schaffen, der auch im Winter spürbar weniger Stress für die Haut bedeutet“, so Dr. Petzold. (Barmer)

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